"Managré Nooma - das Gute geht nicht verloren"

ist ein Leitmotiv mitten in einer Stadt, die viel Elend ertragen muss, und wo die Menschen erst in der Regenzeit zuversichtlich werden können. Trotz der eigenen schlechten und oft menschenunwürdigen Lebensbedingungen sind es gerade diese Menschen, die am meisten zu geben haben und es auch tun. Diese Erfahrung durfte eine deutsche Buchhändlerin - Katrin Rohde - erstmals 1988 in Afrika machen, und diese hat ihr Leben und das vieler heimatloser Kinder verändert. (Salzburger Nachrichten, Feuilleton vom 20. Mai 2006)

www.sahel.de


Der Zahnarztstuhl im Waisenhaus von "Mama Tenga" ist bereits im Einsatz

In der AMPO-Zahnarztpraxis

In der AMPO-Zahnarztpraxis

Anfang April 2006 konnte die neue Zahnarztpraxis bei AMPO eröffnen.

Möglich wurde dies durch eine Spende aus Österreich.

Zahnarzt Dr. Vorauer und Team - 20 Jahre Praxis Dr. Vorauer


Katrin Rohde schreibt dazu:

"Erstes Ziel ist es, sämtliche AMPO-Kinder in Ouaga einmal durchlaufen zu lassen und aufzutrennen in solche
die man behandeln muss - na, und die anderen, die lachend abziehen können.

Dies wird dauern, vermutlich so bis zu 2 Monate, denn wir sind ja viele,
dazu kommen noch die Angestellten, deren Familien etc - und die Nachbarn.

Bis dahin wird sich dann herumgesprochen haben dass es uns gibt, und die ersten Fälle werden kommen.

 


Viele Leben voller Abenteuer

Salzburger Nachrichten, Feuilleton vom 20. Mai 2006
DORIS ESSER

Zu den aktuellen A.M.P.O.-Projekten zählen unter anderem das Waisenhaus für Mädchen, in dem alle in familienähnlichen Strukturen aufwachsen und ein Straßenjungenprojekt mit Alphabetisierung, Erlernen von Verlässlichkeit und Leben ohne Drogen.

Katrin Rohde ist die Mama Kipsei, die "Mutter der Waisen", wie sie in der Lokalsprache Moré genannt wird   Katrin Rohde ist die Mama Kipsei, die "Mutter der Waisen", wie sie in der Lokalsprache Moré genannt wird. Denn seit sie 1995 nach Burkina Faso gezogen ist, hat sie hier viele Kinder bekommen - Waisen, Halbwaisen und Straßenkinder, um die sich niemand gekümmert hat und die auf unfassbare Lebensgeschichten zurückblicken: Obdachlosigkeit, Hunger, Kriminalität, Krankheit und Vergewaltigung.

Nach wie vor ist in Burkina Faso die Gesundheitsversorgung katastrophal, wobei sich vor allem Aids ungebremst ausgebreitet hat. Landesweit haben Hunderttausende Kinder unter 15 ihre Eltern durch Aids verloren.

Zum Auftakt, sich in Ouagadougou einzusetzen, kaufte Katrin Rohde ein Ticket ohne Rückflug - "Einmal Ouagadougou, nur hin! One way!" Nach ihrer Afrikaankunft hat sie sich von Anfang an mit dem Problem der vielen Straßenkinder beschäftigt: "Während meiner Recherchen suchte ich Antworten auf Fragen wie 'Warum sind sie hier auf der Straße und nicht zu Hause? Welche Drogen nehmen sie?' Grundsätzlich sind Drogen in diesem Land billiger als das Essen. Hier inhalieren sie Kleber, rauchen Ganja, das hiesige Marihuana, und schnüffeln - am billigsten von allem - Farbverdünner, was das Hirn innerhalb kürzester Zeit verblöden lässt. Bei Straßenjungen erzählen die Flecken auf ihren Hemden von den Drogen, die sie nehmen. Das Weiß in den Augen ist Rot, raue Stimmen und fahrige Bewegungen erklären ihren Zustand - auch wenn sie dann wieder nüchtern geworden sind. Für mich sind Drogen mittlerweile der Fluch der Großstadt. Die meisten Messerkämpfe werden unter Drogeneinfluss begonnen und enden oft tödlich. Hinterher allerdings tut es dann allen sehr Leid, denn sie können gar nicht verstehen, wie so etwas passiert ist. Aus dieser Reaktion zog ich eine Lehre für meine Erziehung: Jeder muss Verantwortung tragen - auch Kinder sollen das tun. Und da sie noch nicht einmal für sich selbst sorgen wollen, sollen sie lernen, für jemanden anderen da zu sein."

Eine Gewaltnacht im Straßengraben Bereits am Ende des ersten Einsatzjahrs in Burkina Faso zog Katrin Rohde eine erste Bilanz: "In unserem kleinen Haus lebte ich mit 17 Jungen zwischen sechs und 19 Jahren zusammen. Von ihnen leben vier noch heute als Schüler bei A.M.P.O., drei sind letztes Jahr entlassen worden und bilden eine erfolgreiche Marionettengruppe. Sieben arbeiten bereits seit Jahren regelmäßig als ausgebildete Schneider, Schreiner und Mechaniker. Drei von allen haben es leider nicht geschafft. Sie pendeln weiter zwischen Knast und Straße, ab und an erscheinen sie voller Drogen vor meiner Tür, und ich gebe ihnen ein bisschen Geld für Essen."

Als Katrin Rohde im April 2006 zehn Jahre A.M.P.O. - den Verein zum Schutz der Waisenkinder - feiern konnte, fiel ihr sehr engagiert die allererste Begegnung mit einem Kind in Burkina Fasos Hauptstadt Ougadougou ein, wo das Leben auf der Straße stets rundum voller Abenteuer ist.

Die Stadt war totenstill in jener Nacht. Der sechsjährige Bub - Panamtougouri - hatte sich entschlossen, mit anderen Jungen im Straßengraben zu schlafen. Während der extrem finsteren Nacht hatte ihn einer seiner Freunde plötzlich mit seltsamem Stöhnen aufgeweckt. Als die Sonne schließlich aufging, sah der Junge erschütternde Blutflecken auf seinem eigenen Hemd und er erfuhr, dass ein Unbekannter seinen Freund in dieser dramatischen Nacht getötet hatte.

Stunden später konnte Panamtougouris von Katrin Rohde gefunden werden - und liebevoll wurden seine dicken Tränen von ihr getrocknet.

Jene Gewaltnacht im Straßengraben verfolgte den Buben jahrelang - haltloses Brüllen schoss immer wieder aus seinem Körper heraus und noch heute kann er auf Knopfdruck weinen - mit dicken Krokodilstränen. Und wenn er in einer Hängematte liegt, bewegt er sich wiederholt unruhig im Schlaf. Was seinen Schulbesuch betrifft - Panamtougouri wurde als ein intelligenter Bub erkannt - aber schwer fällt ihm, sich zu konzentrieren.

Zum Zehn-Jahr-Jubiläum beschrieb Katrin Rohde heuer eine ihrer tief greifenden Emotionen: "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die übernommene Verantwortung das Wichtigste im Leben eines Kindes ist."

Vom Straßengraben übersiedelt zu A.M.P.O. Wunderbar gerettet wurden die Zwillinge Awa und Adama: Eines Tages stand nämlich die Mutter der zwei kleinen Mädchen vor Katrin Rhodes Tür. Die Frau, die lange Zeit mit den Kindern in einem Straßengraben die Nächte verbrachte, teilte mit, dass sie jetzt unter Tuberkulose leide und für mehrere Monate stationär aufgenommen werden müsse. Da der Ehemann von Dieben erschlagen worden war und sie selbst keine Eltern mehr hatte, wusste sie nicht, wie das Leben der Kinder weitergehen sollte. Awa und Adama wurden spontan vom Projekt A.M.P.O. aufgenommen und die Mädchen konnten zum ersten Mal eine Schule besuchen, wobei sie zeigten, wie intelligent und fleißig sie sind - übersiedelt vom Straßengraben in eine positive Zukunft.

Immer wieder erhält die engagierte A.M.P.O.-Gründerin viele lobende Worte: "Was du in Burkina Faso mit den Waisenkindern machst, ist mehr als nur Spitze! Ich würde mich das nicht so einfach trauen, da es in Afrika ja auch viele Krankheiten gibt. Wir werden immer an dich denken, denn du hast ein echt gutes Herz und weißt, was zu tun ist, um Menschen aus einer Notsituation heraus zu retten!"

Im Zusammenhang mit ihrer Krankenstation teilt Katrin Rohde mit, dass es zum Thema "Krankheit" in Burkina Faso dramatische Informationen gebe: "Amöben und Würmer sind allgegenwärtig, Typhus und Gelbsucht alltägliche Krankheiten - abgesehen von den vielen Malariafällen, die durchaus zu bekämpfen sind, wenn man schnell genug reagiert und das Geld für die Medikamente vorhanden ist. Sehr häufig sind Atemwegserkrankungen, denn in Ouagadougou leben wir von morgens bis nachts in blauen Abgasschwaden.

Unsere Krankenstation ist etwas Besonderes in Burkina Faso: Hier zahlen die Patienten nur ein Zehntel der üblichen Kosten für die Behandlung. Sie bekommen das, was wir an Medikamenten haben, geschenkt. Schon morgens um fünf Uhr stehen oft 50 und mehr Frauen mit ihren kranken Kindern vor unserer Tür. Viele von ihnen sind zehn Kilometer zu Fuß gegangen, und das oft ohne Schuhe.

Eines Morgens um fünf wurde ich vom Nachtwächter bei A.M.P.O. angerufen: "Komm schnell, vor unserer Tür liegt ein Baby. Und es atmet nicht richtig!" Ich raste los und tatsächlich fand ich ein frisch geborenes Kind vor, völlig nackt und eiskalt. Die Nabelschnur war mit einem Stück Stroh abgebunden. Ich stopfte dann das Kind mit der linken Hand unter meinen Pullover und fuhr schnell zum Kinderkrankenhaus."

Den Kindern eine heilere Welt geschenkt

Den vielen Waisenkindern wird ein neues Leben geschenkt - eine heilere Welt, in der sie wieder Mut fassen können.

Aus Salzburg engagiert sich bereits seit Jahren der Zahnarzt Wolfgang Vorauer
Aus Salzburg engagiert sich bereits seit Jahren
der Zahnarzt Wolfgang Vorauer.

SN.: Welches Projekt fasziniert Sie am meisten?
Vorauer: Mit A.M.P.O. hat mich, seit ich 2000 in Burkina Faso tätig bin, vor allem jener Einsatz der von diesem Verein Betreuten für den Umbau unserer Zahnstation beeindruckt: Installateure, Tischler, Fliesenleger und Elektriker.

SN.: Wie kam es zu einem allerersten Kontakt mit Katrin Rohde und ihrem Verein A.M.P.O.?
Vorauer: Durch ihr Buch "Mama Tenga - Mein afrikanisches Leben" (Verlag Kiepenheuer & Witsch), das ich in München vor dem Abflug nach Paris gekauft hatte.

SN.: Warum?
Weil der Buchrücken dieselbe Farbe wie mein Koffer samt Inhalt hat - immer wenn ich nach zwei Wochen von Burkina Faso nach Hause komme. Zufall, wie immer im Leben!

SN.: Aktuell betrachtet - worin besteht Ihre derzeitige Unterstützung?
Vorauer: Die letzten drei Jahre haben wir von unseren Patienten Spenden gesammelt und dass Patienten bei einem Privatzahnarzt weiterspenden, das ist ein schönes Wunder! Mit Hilfe eines Bregenzer Zahnarztfreunds sind 30.000 Euro zusammengekommen und wir haben damit die Zahnarztstation bei A.M.P.O. eingerichtet und Geräte gekauft - neue Geräte aus den USA, die den besonderen Anforderungen eines Wüstenklimas standhalten und leicht zu warten sind. Unsere, mit Elektronik gespickten wären dauernd kaputt. Und laufend bezahlen wir zwei einheimische Zahnärzte, die diese Station betreuen - als engagierter Einsatz!